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Achte auf dein Leben PDF

Die Zehn Gebote wurden früher nicht nur als „Magna Charta“ des religiösen Lebens, sondern auch als unverzichtbare Grundlage aller Gesellschaften angesehen – davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Dass sich jeder Einzelne in unsere Gesellschaft immer mehr von den zehn Geboten entfernt, wird vermutlich an keinem anderen Gebot so deutlich wie am 8. Die Menschen sind trickreich, wenn sie angesichts achte auf dein Leben PDF offiziellen Regelungen und dem entgegenstehenden Eigeninteresse nach Schlupflöchern suchen.


Författare: Bernadin Schellenberger.
»Verweile einfach in der Gegenwart und spüre ihre wohltuende Kraft.«
»Die wesentlichen Dinge im Leben machst du nicht selbst. Sie passieren dir oder fallen dir zu. Dank ihrer kommst du über dich selbst hinaus. Das ist das Ziel der Spiritualität.«
Bernardin Schellenberger überträgt die zentralen Gedanken und Weisungen aus der Regel Benedikts in unsere Zeit und unser heutiges Leben. Dabei gibt er konkrete Vorschläge und Hinweise, die uns hel­fen, mit den täglichen Anforderungen besser zurechtzukommen und häufiger die Erfahrung von Zugehörigkeit, Stimmigkeit und Einklang zu machen.
Das Buch ist die überarbeitete und erheblich erweiterte Neuausgabe des 2005 im Kreuz Verlag erschienenen Titels ‚Mit Benedikt Spiritualität erfahren‘.

Besonders wichtig ist es dann, diese Schlupflöcher fantasievoll und möglichst positiv zu benennen. Worum geht es eigentlich beim Gebot „Du sollst nicht lügen“? Auf die Frage, was denn daran so schlimm ist, wenn andere etwas – oder alles – über mich wissen, gibt es eine unehrliche – und eine ehrliche Antwort. Habe ich denn etwas zu verbergen? Tue ich denn etwas Verbotenes, wenn ich im Internet browse?

Ich tue nichts Böses – aber es gibt eben die anderen Bösen, die mit meinen Daten Böses tun“. Deshalb achte ich peinlich darauf, dass ich nicht zuviel von mir preisgebe. Aber – das ist, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit habe auch ich meine dunklen Seiten und möchte nicht, dass bekannt wird, welche peinlichen Dinge ich gedacht, gesagt oder getan habe. Ganz gegen diesen Trend steht nun die christliche Verheißung: Wir werden nach unserer Auferstehung alle einen „verklärten“ Leib erhalten. Das Wort „verklärt“ kommt einem wie ein Fremdwort vor und meint scheinbar etwas völlig Unbestimmtes, das erst für das Jenseits gilt.

Aber das stimmt nicht: „Verklärt“ bedeutet – im theologischen Sinne – nichts anderes als „geklärt“, bzw. Verklärt“ kann auch die Bedeutung von „geschönt“ haben – wenn zum Beispiel Menschen die Vergangenheit „verklären“. Eine schöne Nebenbedeutung: Unser „verklärter Leib“ wird transparent – und genau darin liegt seine Schönheit begründet! Der verklärte Leib ist aber nicht „durchsichtig“ im Sinne von „optisch transparent“. Dazu sollten wir uns einmal kurz vor Augen halten, wofür der Leib eigentlich gedacht ist.

Viel wichtiger ist uns die Seele des anderen Menschen – und das, was dort vor sich geht. Wir möchten gerne wissen, was der andere denkt, was er für mich empfindet und was ihn bewegt. Leider sind wir kaum in der Lage, die Seele eines Menschen direkt wahrzunehmen. Dafür habe wir gottseidank den Leib. Er ist das Ausdrucksmedium der Seele. Wenn wir in das Gesicht eines Menschen schauen, erfahren wir so einiges über seine Seele und das, was gerade in ihr vorgeht.

Aber nicht nur das Gesicht, der ganze Körper in seiner Haltung – sogar in seiner Kleidung oder seiner Ausgestaltung z. Form der Frisur oder des Make-Up spricht zu uns. Wir können anderen Menschen einen Blick in unsere Seele gestatten – oder sie irreführen. Wir können unseren Leib zum Ausdruck unserer Seele werden lassen – oder aber zur Schutzwand. Es kann heißen: „Schau mir in die Augen, den Spiegel meiner Seele! Was wirklich in mir vorgeht, geht dich nichts an! Einem anderen Menschen einen Blick in seine Seele zu gestatten, ist – Liebe.

Wer liebt, möchte aber auch die Wut und die Trauer – ja sogar die Schuld – teilen, mitteilen. Vermutlich ist das größte Unglück des Menschen die Art von Einsamkeit, in der man etwas teilen möchte – und niemanden hat, der sich dafür interessiert. Um dieser größten Not zu entgehen, öffnen sich einsame Menschen sogar denen gegenüber, von denen sie wissen, dass das Interesse an ihrer Seele eher egoistischen Zwecken dient. Und nun glauben wir Christen, dass wir einmal einen verklärten Leib geschenkt bekommen werden: Das vollkommene Ausdrucksmedium unserer Seele. Jeder, der uns dann sehen wird, wirft mittels dieses verklärten Leibes einen Blick in meine Seele. Wir sind im Himmel gläserne Menschen.