Kinderbücher

Das Recht des Menschen in der Welt. PDF

Wie kann es einen Gott geben, wenn die Welt so offensichtlich ungerecht, leidvoll und sinnlos ist? Das ist, auf einen Das Recht des Menschen in der Welt. PDF reduziert, die Frage der „Theodizee“.


Författare: Rainer Wahl.
Ernst-Wolfgang Böckenförde ist einer der bekanntesten und profiliertesten Staatsrechtslehrer der Bundesrepublik Deutschland. Sein wissenschaftliches Werk beschränkt sich nicht auf das Staatsrecht im Sinne einer dogmatischen Disziplin der Rechtswissenschaft, sondern greift weit darüber hinaus. Böckenförde versteht Recht als etwas geschichtlich Gewordenes, sein eigentlicher Gehalt eröffnet sich nur der historisch angeleiteten Untersuchung. Recht weist aber auch enge Beziehungen zur Philosophie auf und bedarf der philosophisch geschulten Analyse. Die Geschichte der Rechts- und Staatsphilosophie hat Böckenförde denn auch gerade in den letzten Jahren intensiv beschäftigt. Daneben bilden Studien zu Religion und Kirche einen in seiner Bedeutung kaum zu unterschätzenden Schwerpunkt von Böckenfördes wissenschaftlichem Werk. Seine zwölfjährige Tätigkeit als Mitglied des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat es Böckenförde erlaubt, sein theoretisches Werk mit Erkenntnissen aus der richterlichen Praxis zu stärken. Umgekehrt hat seine Richtertätigkeit in Karlsruhe zugleich dazu beigetragen, daß die Verfassungsrechtsprechung durch wissenschaftliche Methode und Erkenntnis bereichert worden ist.
Gegenstand des Kolloquiums aus Anlaß des 70. Geburtstags von E.-W. Böckenförde, dessen Beiträge im vorliegenden Band dokumentiert werden, war entsprechend den wissenschaftlichen Interessen des Jubilars das Recht des Menschen in der Welt aus der Blickrichtung der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die ihn seit langem beschäftigen. Im Mittelpunkt steht der Mensch, die Person, der einzelne. Er bildet die Grundlage des Staatsrechts und der Staatsphilosophie. Die aktuellen Diskussionen über Fragen der Gentechnik und Biomedizin zeigen die Notwendigkeit, fächerübergreifend den Menschen in der Welt in den Blick der Wissenschaften zu nehmen und Zusammenhänge herauszuarbeiten. Dieser Aufgabe hat sich das Kolloquium unterzogen. Zu Wort kommen die Theologie, die Staatsphilosophie, die Staatsrechtslehre, die Geschichte und die rechtswissenschaftlich fundierte Verfassungsrechtsprechung.
Damit ergibt sich ein facettenreiches Bild vom Recht des Menschen in der Welt, das von dem fächerübergreifenden Ansatz profitiert und damit Ernst-Wolfgang Böckenfördes wissenschaftlichem Werk in besonderer Weise gerecht wird. Seine Person und seine Verdienste verdeutlicht die Laudatio der seinerzeitigen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, der heutigen Präsidentin des Goetheinstituts Jutta Limbach. Den Abschluß des Bandes bildet die Bibliographie der weitgefächerten Veröffentlichungen des Geehrten.

Frage ist, aber von ungemein persönlicher Bedeutung. Menschen, die unfassbares Leid erlebten, stehen vor dieser Frage nicht zuerst als philosophisch Interessierte, sondern als ins Herz Getroffene. Eine Antwort auf diese Frage darf das nicht ignorieren: Es geht nicht nur um eine rationale Auflösung eines Widerspruches zwischen dem guten Gott und den verstörenden Ereignissen dieser Welt. Ich hoffe, mit dieser Katechese einem solchen Anspruch einigermaßen gerecht zu werden und bitte jetzt schon um Entschuldigung, falls mir das nicht gelingt. Auch bitte ich um etwas Geduld: Der erste Teil der Katechese ist nüchtern, sachlich und eher philosophisch.

Aber keine Sorge: Ich verliere den Anspruch, neben einer Antwort auch Trost zu finden, nicht aus den Augen. Versuche, sich der Theodizee zu nähern und ein wenig Heilung, zumindest aber Linderung des Schmerzes, den das Leid verursacht, zu schenken. Buch über einen Vater, dessen Kind entführt und ermordet wird und seine Auseinandersetzung mit Gott. Teile habe ich für diese Katechese übernommen – die anderen Teile sind auch lesenswert. Nicht alle, die vom „großen, unlösbaren Problem der Theodizee“ in der Theologie hören, können die Brisanz nachvollziehen. Nun will ich niemandem ein Problem einreden, das er selbst nicht hat. Durch diese Beschreibung des Theodizee-Problems wird zudem deutlich, dass wir in der Frage nach Gott immer schon den christlichen Gott vor Augen haben, von dem es heißt, er sei gut und liebevoll.

Angesichts des Leids in der Welt stellt sich nämlich nicht die Frage nach der Existenz eines Gottes – sondern nur die Frage nach seiner Güte und Allmacht. Denn: Vielleicht gibt es trotz allen Leids einen Gott, der aber nicht gut, sondern bösartig und grausam ist? Das Theodizeeproblem ist also kein universelles Rätsel: Es ist ein spezielles Problem der Religionen, die an einen personalen, guten und allmächtigen Gott glauben. Für Atheisten stellt sich die Frage nicht: Wenn kein Gott existiert, braucht man seine Güte und Allmacht auch nicht zu verteidigen. Das Defizit der mangelnden Erklärung für das So-sein der Welt im Buddhismus sieht der Buddhist selbst nicht: Für ihn ist die ganze Welt Teil der Illusion, die mich nur solange bedrängt, wie ich an ihr festhalte. Auch das Judentum hat seine Lösung gefunden, die im Leid die Konsequenz menschlichen Verhaltens sieht. Allerdings denkt die jüdische Theologie weniger in den Kategorien des Individuums, sondern denkt ausdrücklich die Möglichkeit, dass das ganze Volk Israel für die Sünden einzelner zu leiden hat.

Das größte Problem stellt die Theodizeefrage für die Christen dar, die an einen vernünftigen und zugleich gütigen, allmächtigen, allwissenden und dem Menschen zugewandten, aktiven Schöpfergott glauben. Wenn Gott gut ist, kann er nicht auch allmächtig sein: Denn wenn er das Leid verhindern will, es aber dennoch existiert, kann das nur heißen, dass er das Leid nicht verhindern kann. Wenn Gott allmächtig ist, kann er nicht auch gut sein: Denn wenn Gott das Leid verhindern kann, es aber dennoch existiert, bedeutet dies, dass er es nicht verhindern will. Wenn Gott aber nicht allmächtig ist – oder nicht gut -, dann ist er auch kein Gott.