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Die Weltpolitik Kaiser Wilhelms II. PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Großmächte zwischen Krisendiplomatie und Aufrüstung Der 24. Mai 1913 war ein sonniger Tag in Berlin, Tausende waren schon früh auf den Beinen, um am Straßenrand die besten Plätze bei einem großen Spektakel zu ergattern: die Weltpolitik Kaiser Wilhelms II. PDF Hochzeit der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II. Viktoria Luise, mit Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg.


Författare: Alois Paul Falkenegg.

Der Historiker Alois Paul von Falkenegg stellt im vorliegenden Band die politischen Absichten des Kaisers auf den Prüfstand und erläutert ihre Zusammenhänge. So wird z. B. die Auffassung Wilhelms zum Industrie- und Handelsstaat sowie seine Flottenpolitik erläutert. Unveränderter Nachdruck der originalausgabe aus dem Jahr 1901.

Die Hoffnung, durch den „Fortschritt der großen Kulturnationen“ die Lage entspannen und damit den von vielen als unvermeidlich angesehenen, von manchen inzwischen sogar heiß ersehnten Krieg verhindern zu können, war sicherlich ehrlich gemeint. Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg nicht ohne Spott meinte, „der Himmel voller Geigen“ hänge, glaubte sogar, bei dieser Zusammenkunft „mit seinem Vetter das Balkanproblem gelöst“ zu haben. Anlass dafür war der im Oktober 1912 ausgebrochene Krieg auf dem Balkan. Funke würde genügen, den Kontinent in die Luft zu jagen. Die Gründe lagen auf der Hand: Jede Veränderung in diesem sensiblen Teil Europas verschob die politischen, vor allem aber die militärischen Gewichte aus regionaler wie auch aus internationaler Perspektive. Genau dieses Szenario war es, das manchen Politiker und Militär in Wien veranlasste, über einen Präventivkrieg nachzudenken, bevor es tatsächlich zu spät sei: „Unsere wirklichen Lebensinteressen für die Zukunft sind ohne Machteinsatz und ohne Kampf nicht zu bewahren“, hieß es in einer Denkschrift des k. Das Risiko eines Krieges mit Russland hielten sie dabei für kalkulierbar.

So sehr die deutsche Seite bereit war, ihren Bündnispartner bei einem Konflikt mit Russland zu unterstützen, so wenig wollte sie Österreich zu diesem Zeitpunkt wegen der unabsehbaren Konsequenzen jedoch zu einem lokalen Krieg gegen Serbien raten. Nach diesen Kriegen, deren Kennzeichen bis dahin ungekannte Grausamkeiten gegen Soldaten und Zivilisten sowie ethnische Säuberungen großen Ausmaßes waren, kam es immer wieder zu Spannungen zwischen einzelnen Mächten, vor allem aber zwischen Österreich auf der einen und Serbien und dem Zarenreich auf der anderen Seite. Auch zwischen Deutschland und Russland kriselte es im Herbst des Jahres. Dass die Donaumonarchie in ihrem Konflikt mit Serbien die Ultima Ratio in Erwägung zog, haben wir schon gesehen. Besonders bemerkenswert ist das Agieren des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. Obgleich er der Forderung des Generalstabschefs nach einem „je eher, desto besser“ ablehnend gegenüberstand, hielt er es für notwendig, für den Eventualfall gerüstet zu sein.

Entscheidender als die numerische Verstärkung der Truppen war der Wandel in den Doktrinen und den Plänen, mit denen diese in den Krieg ziehen sollten. Bis 1912 hatte allein das Deutsche Reich einen vom legendären Generalstabschef Alfred Graf von Schlieffen entworfenen, von seinem Nachfolger Moltke weiterentwickelten offensiven Kriegsplan gehabt: Ein schneller Sieg im Westen sollte den Krieg im Osten unnötig machen beziehungsweise zumindest erleichtern. In der Konsequenz erhöhte dieser Wandel wiederum den Druck auf die verantwortlichen Militärs und Politiker, sich in einer als existenzgefährdend empfundenen Krise für den Präventivkrieg und nicht für Verhandlungen zu entscheiden. Jeder Verlust an Zeit für Mobilisierung, Aufmarsch und Angriff, so die einfache Rechnung, drohte die Niederlage, nicht den Sieg wahrscheinlicher zu machen.

Um den großen Konflikt zu verhindern, hatten daher auf dem Höhepunkt der Balkankrise 1913 sowohl das Kabinett in London als auch die Reichsleitung in Berlin mäßigend auf ihre jeweiligen Partner eingewirkt. Damit verhinderten sie den großen Krieg und brachten den kleinen, so mühselig die Verhandlungen auf der Londoner Botschafterkonferenz letztlich waren, zu einem, wenn auch nur vorläufigen Ende, wie sich bald herausstellen sollte. Anders als in den Jahrhunderten zuvor hatten die Verantwortlichen, ob es sich nun um Politiker oder Militärs, ja selbst um Monarchen handelte, bei ihren Entscheidungen die Stimmung der öffentlichen Meinung, vor allem aber die der jeweiligen Parlamente in Rechnung zu stellen. Diese komplizierte Gemengelage gilt es bei der Betrachtung des Jahres 1913 zu berücksichtigen. Kampf des Slawen- gegen das Germanentum oder anders begründete Groß- beziehungsweise Weltmachtphantasien handelte. So wie Tirpitz dachten viele, wie ein Blick in die zeitgenössische Publizistik oder die Reden verantwortlicher und noch mehr unverantwortlicher Politiker zeigt.