Reise & Abenteuer

Großfürst Konstantin Nikolaevič PDF

1855 bis 1881 Kaiser von Großfürst Konstantin Nikolaevič PDF aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp. Abschaffung der Leibeigenschaft während seiner Regierungszeit verliehen schon die Zeitgenossen Alexander II. 1818 als Sohn des Kaisers Nikolaus I. Kaiserin Alexandra Fjodorowna im Moskauer Kremlpalast geboren.


Författare: Matthias Stadelmann.
Großfürst Konstantin Nikolaevič (1827–1892) war einer der bemerkenswertesten russischen Staatsmänner des 19. Jahrhunderts. Der zweitgeborene Sohn von Kaiser Nikolaj I. begründete als General-Admiral der russischen Flotte im Marineministerium eine Kultur des Wandels in der St. Petersburger Politik, die dazu führte, dass sein Bruder, Kaiser Aleksandr II., Mitte der 1850er Jahre ein groß angelegtes Reformprogramm initiierte. Konstantin wurde bald unverzichtbar für die Politik im Reich seines Bruders: Er setzte die epochale Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft durch und öffnete damit den Weg für weitere Modernisierungen der Autokratie. Als er kaiserlicher Statthalter im russisch beherrschten Polen wurde, verfolgte er die große Vision einer Versöhnung von Polen mit Russland auf der Grundlage von Respekt und Gesetzlichkeit, eine Vision, die jedoch im Aufstandskrieg von 1863 unterging.
Matthias Stadelmanns Studie zur russischen Reformära verknüpft die Analyse entscheidender Wirkungsstationen des Großfürsten mit einer Kulturgeschichte des Politischen. Erst über die biographisch orientierte Betrachtung Konstantin Nikolaevičs erschließen sich grundlegende Strukturen der Petersburger Politik: Reformdiskurse, Kommunikationsmechanismen, Handlungsstrategien und Entscheidungsfaktoren. Darüber hinaus gibt die Studie Einblick in die vielschichtige Persönlichkeit des Kaiserbruders, der – aufgeklärt und despotisch, kultiviert und schroff – seine Zeitgenossen stets polarisierte, gerade mit dieser Polarisierung aber Potential für Russlands historischen Wandel schuf. Vom eindrücklichen Beispiel des Großfürsten ausgehend stellt Stadelmann den persönlichen Faktor als entscheidendes Moment politischer Gestaltung im Russischen Kaiserreich heraus.

Frau, die Prinzessin Marie von Hessen und bei Rhein, kennen, die zu dem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war. Auch gegen den erheblichen Widerstand am Zarenhof und sogar diplomatische Interventionen hatte Alexander seine Wahl durchgesetzt. Als Alexander nach dem Tod seines Vaters am 18. Regierungsgeschäfte übernahm, war er zwar mit knapp 37 Jahren ein gereifter, gut ausgebildeter und auch politisch versierter Mann. Er schwächte Russlands Machtstellung im Orient nur vorübergehend und bedeutete nicht das Ende des russischen Interesses an den türkischen Territorien.

Die Russland im Pariser Frieden auferlegte Entmilitarisierung der Schwarzmeerhäfen bedeutete indes einen schweren Schlag für das Prestige als Groß- und Ordnungsmacht, als die sich das Reich seit den Napoleonischen Kriegen betrachtet hatte. Besonders in den 1848er Revolutionen hatte sich Russland als europäische Hegemonialmacht präsentiert. Monate nach dem Friedensschluss und fast anderthalb Jahre nach seinem Regierungsantritt, fand in Moskau die Krönungszeremonie des neuen Zaren statt. Für die Geschichte Russlands und die politischen Überzeugungen Alexanders II. Niederlage im Krimkrieg einen tiefen Einschnitt. Leibeigenschaft abzuschaffen, als darauf zu warten, dass sie zerbreche. Alexander setzte diese Reformen gegen große Widerstände durch.

Unterstützung fand er neben seinem Bruder Konstantin vor allem in der durchaus reformfreudigen Bürokratie. Zuteilung von Land an die Bauern und der Zwangsbewirtschaftung in der Dorfgemeinschaft wurden die Produktionsfaktoren Arbeit sowie Grund und Boden nur unzureichend liberalisiert. Teil der Juden des Zarenreichs kamen diese Reformen nach langer Zeit der Repression und Beschränkungen zugute. Um die russische Wirtschaft zu fördern, wurde sowohl jüdischen Kaufleuten mit mehr als 50. Thronfolger angesehen hatte, stürzte den Zaren in eine persönliche Krise.