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Halladsch – Oh Leute, rettet mich vor Gott PDF

Annemarie Schimmels Vater war Postbeamter und befasste sich mit Philosophie und Mystik, die Mutter stammte aus einer Seefahrerfamilie. Berlin zunächst Chemie und Physik, hörte aber auch islamische Kunstgeschichte und Arabistik. 1953 wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin an der Universität Marburg ernannt und war dort bis 1954 tätig. Annemarie Halladsch – Oh Leute, rettet mich vor Gott PDF hat weit über 100 Bücher, Artikel und wissenschaftliche Veröffentlichungen publiziert.


Författare: Annemarie Schimmel.
Seit seiner Hinrichtung durch religiöse Fanatiker in Bagdad im Jahr 922 haben Botschaft und Schicksal des persischen Sufis Mansur al-Halladsch nicht aufgehört, die Menschen zu bewegen. Bis in unsere Zeit lauschen Erkenntnissucher, die den Irrweg der Trennung verlassen wollen, seinen ergreifenden Bezeugungen der Einheit Gottes, seinem sehnsüchtigen Rufen nach Vereinigung mit diesem einen einzigen Geliebten und dem aufweckenden Klang seiner teils provozierenden Forderungen nach radikaler Verinnerlichung des Glaubens. Auch wenn seine oft rätselhaften Gedichtzeilen, wie »mein Tod ist in der Religion des Kreuzes«, von der modernen Islamforschung nicht länger als versteckte Bekenntnisse zum Christentum interpretiert werden, zeugen sie von der Tiefe einer mystischen Erfahrung, welche die ›religiöse Korrektheit‹ der doktrinären Intoleranz aller Zeiten durchbricht. Für seine berühmte Aussage «ana’l-Haqq» (»Ich bin die schöpferische Wahrheit«) und seine Überzeugungen, wie etwa ein gutes Werk sei wichtiger als die Pilgerfahrt, wurde Halladsch vom frömmlerischen Establishment als Gotteslästerer verurteilt – während doch jeder seiner Verse von seiner aufrichtigen Gottesliebe spricht, in deren Ekstase die Getrenntheit von Ich und Du zwischen Wirklichkeit und Wahrheit verwischt. Die weltbekannte Orientalistin Annemarie Schimmel präsentiert hier die schönsten Texte des Mystikers und Märtyrers sowie eine kenntnisreiche Darstellung seines Lebens und Denkens. Lizenzausgabe mit durchgesehenen und verbesserten Quellennachweisen und ausführlichem Stichwortregister.
»Oh Leute, rettet mich vor Gott! Denn Er hat mich mir selbst entrissen und gibt mich mir nicht zurück, und ich kann auf diese Gegenwart keine Rücksicht nehmen, und ich fürchte mich vor der Trennung, dass ich abwesend und Seiner beraubt sein werde.« | »Wer zwischen Unglauben und Glauben unterscheidet, ist ungläubig, und wer nicht zwischen dem Ungläubigen und dem Gläubigen unterscheidet, ist auch ungläubig.« |»Das Erfassen des Wissens von der Wirklichkeit ist schwer – // Das der Wirklichkeit der Wirklichkeit – wie viel mehr! // Die Wahrheit liegt hinter der Wirklichkeit // Und die Wirklichkeit diesseits der Wahrheit.« | »Wer die Göttliche Wahrheit im Licht des Glaubens sucht, ist wie einer, der die Sonne im Licht der Sterne sucht.« | »Diese Deine Diener haben sich versammelt, um mich zu töten, aus Eifer für Deine Religion und um Dir näherzukommen. Vergib ihnen, denn wenn Du ihnen enthüllt hättest, was Du mir enthüllt hast, so täten sie nicht das, was sie tun; und wenn Du mir verhüllt hättest, was Du ihnen verhüllt hast, so würde ich nicht mit dem heim gesucht, womit ich nun heimgesucht werde. Dir gebührt Lob für das, was Du tust, und Dir gebührt Lob für das, was Du willst.«

Annemarie Schimmels Grabstätte auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn mit einem Zitat aus ʿAlī ibn Abī Tālib. Zeit ihres Lebens setzte sich Annemarie Schimmel für ein besseres Verständnis des Islams im Westen und für ein friedliches Miteinander von Muslimen und Nicht-Muslimen ein. In diesem Zusammenhang stellte sie unter anderem die Bedeutung des Orientalisten und Dichters Friedrich Rückert wiederholt heraus. Sie beteiligte sich an einem Solidaritätskomitee für Nasr Abu Zaid, das dem in seiner ägyptischen Heimat wegen seiner Schriften verfolgten Islamwissenschaftler 1995 zur Ausreise ins europäische Exil verhalf.

Während ihrer Lehrtätigkeit in Ankara heiratete sie 1955 den türkischen Ingenieur Osman Tarı, von dem sie sich 1957 scheiden ließ. Der Trauergottesdienst für die Verstorbene fand am 4. Februar 2003 in der evangelischen Kreuzkirche in Bonn statt. Schimmel wurde auf dem Poppelsdorfer Friedhof beigesetzt.

Im Zusammenhang mit der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an Schimmel kam es 1995 zu einer heftig geführten Kontroverse, die von einer Äußerung Schimmels ausgelöst wurde. Etliche Stimmen sprachen sich gegen die Preisverleihung aus. Es kam zu einer Protestinitiative innerhalb des den Preis stiftenden Börsenvereins. Zu den prominenten Kritikern gehörten Henryk M. 1996: Ägyptischer Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft 1.

In der pakistanischen Stadt Lahore sind eine Straße, der Boulevard Annemarie Schimmel, sowie das ehemalige Goethe-Institut nach ihr benannt. Kalif und Kadi im spätmittelalterlichen Ägypten. Studien zum Begriff der mystischen Liebe im Islam. Rumi: Ich bin Wind und du bist Feuer. Leben und Werk des großen Mystikers.