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Konsistenz und Widerspruch in den Werken Carl Schmitts der Weimarer Zeit und des Dritten Reiches PDF

Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel. Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Sein im Katholizismus verwurzeltes Konsistenz und Widerspruch in den Werken Carl Schmitts der Weimarer Zeit und des Dritten Reiches PDF kreiste um Fragen der Macht, der Gewalt und der Rechtsverwirklichung. Carl Schmitt, Sohn eines Krankenkassenverwalters, entstammte einer katholisch-kleinbürgerlichen Familie im Sauerland.


Författare: Bernhard Güntner.

Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Politik – Politische Theorie und Ideengeschichte, Note: 1,0, Universität Passau, Veranstaltung: Hauptseminar: Carl Schmitt: Kritik des politischen und ökonomischen Liberalismus, Sprache: Deutsch, Abstract: Zu den schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Rechtsgeschichte gehört mit Sicherheit Carl Schmitt. Einerseits wird er von Vielen als Verfasser viel gelesenen Klassikern gewürdigt. Seine scharfe Kritik des Liberalismus und Parlamentarismus in seinen Werken aus der Zeit der Weimarer Republik wird auch heute noch geschätzt. Andererseits geriet er aber durch seine Kooperation mit der NS-Führung und seine Unterstützung der NSDAP-Ideologie während des Dritten Reiches in Verruf.
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob und in welchen Bereichen Schmitts Werke nach der Machtergreifung Hitlers in Widerspruch stehen zu seinen zuvor vertretenen Überzeugungen, oder ob seine Unterstützung des Nationalsozialismus nur eine logische Fortsetzung seiner vorangegangenen Theorien darstellt. Dazu werden Schmitts politische Positionen aus der Zeit der Weimarer Republik sowie des Dritten Reiches dargelegt und verglichen. Dabei ist zu beachten, dass es Ende des Jahres 1936 zu einem Bruch zwischen der NS-Führung und Schmitt kam, weshalb sich diese Betrachtung auf seine bis zum Jahr 1936 entstandenen Werke beschränkt.

Er war das zweite von fünf Kindern. Der Junge wohnte im katholischen Konvikt in Attendorn und besuchte dort das staatliche Gymnasium. Sein Studium begann Schmitt zum Sommersemester 1907 in Berlin. 1924 wurde die Ehe vom Landgericht Bonn zivilrechtlich annulliert.

Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität, 1922. Bereits früh zeigte sich bei Schmitt eine künstlerische Ader. Schmitt habilitierte sich 1914 mit der Arbeit Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen für Staats- und Verwaltungsrecht, Völkerrecht und Staatstheorie. Auch unter Nichtjuristen wurde Schmitt durch seine sprachmächtigen und schillernden Formulierungen schnell bekannt. Sein Stil war neu und galt in weit über das wissenschaftliche Milieu hinausgehenden Kreisen als spektakulär.

Er schrieb nicht wie ein Jurist, sondern inszenierte seine Texte poetisch-dramatisch und versah sie mit mythischen Bildern und Anspielungen. Seine Schriften waren überwiegend kleine Broschüren, die in ihrer thesenhaften Zuspitzung zur Auseinandersetzung zwangen. 1924 erschien Schmitts erste explizit politische Schrift mit dem Titel Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. Im Jahr des Erscheinens der Verfassungslehre wechselte er an die Handelshochschule in Berlin, auch wenn das in Bezug auf seinen Status als Wissenschaftler einen Rückschritt bedeutete.

Dafür konnte er im politischen Berlin zahlreiche Kontakte knüpfen, die bis in Regierungskreise hinein reichten. Immer wieder zeigt sich dasselbe: nur ein starker Staat kann entpolitisieren, nur ein starker Staat kann offen und wirksam anordnen, daß gewisse Angelegenheiten, wie Verkehr oder Rundfunk, sein Regal sind und von ihm als solche verwaltet werden, daß andere Angelegenheiten der wirtschaftlichen Selbstverwaltung zugehören, und alles übrige der freien Wirtschaft überlassen wird. Bei diesen Ausführungen spielte Schmitt auf einen Vortrag Rüstows an, den dieser zwei Monate zuvor unter dem Titel Freie Wirtschaft, starker Staat gehalten hatte. Wahrheit das genaue Gegenteil davon: nicht Staatsallmacht, sondern Staatsohnmacht. Als Hochschullehrer war Schmitt wegen seiner Kritik an der Weimarer Verfassung zunehmend umstritten.

So wurde er etwa von den der Sozialdemokratie nahestehenden Staatsrechtlern Hans Kelsen und Hermann Heller scharf kritisiert. Rationalität des Parlamentarismus trete der Irrationalismus mit einer neuartigen Mobilisierung der Massen gegenüber. Als Vertreter des Irrationalismus identifizierte Schmitt zwei miteinander verfeindete Bewegungen: den revolutionären Syndikalismus der Arbeiterbewegung und den Nationalismus des italienischen Faschismus. Dabei hatte er sich nie mit den realen Erscheinungsformen des Faschismus auseinandergesetzt. Laut Schmitt bringt der Faschismus einen totalen Staat aus Stärke hervor, keinen totalen Staat aus Schwäche.

Jene Gleichsetzung von Demokratie und geheimer Einzelwahl ist Liberalismus des 19. Nur zwei Staaten, das bolschewistische Russland und das faschistische Italien, hätten den Versuch gemacht, mit den überkommenen Verfassungsprinzipien des 19. Jahrhunderts zu brechen, um die großen Veränderungen in der wirtschaftlichen und sozialen Struktur auch in der staatlichen Organisation und in einer geschriebenen Verfassung zum Ausdruck zu bringen. Gerade nicht intensiv industrialisierte Länder wie Russland und Italien könnten sich eine moderne Wirtschaftsverfassung geben.